„Regalfilme“ als neues Phänomen in der belarusischen Kultur
Reflexionen eines Künstlers über die Fälle „Kupala“ und „Liberté“
DOI:
https://doi.org/10.17892/app.2026.00022.425Schlagworte:
Belarus, Vladimir Yankovskiy (Uladzimir Jankoŭski), Andrei Kureichik (Andrej Kurejčyk), Kino, politische Zensur, „Regalfilme“, Kupala; Liberté, nationale Identität, kulturelle Dekolonisierung, politische Repression, Belarusfilm, dissidente Kunst, postsowjetischer Autoritarismus, belarusische Proteste von 2020.Abstract
Dieser Essay untersucht das Phänomen der belarusischen „Regalfilme“: fertiggestellte Filme, denen Distribution oder öffentliche Existenz verweigert wird. Die Analyse stützt sich auf zwei Fälle: Kupala (Vladimir Yankovskiy [Uladzimir Iankoŭski], 2020, Belarus), ein staatlich finanziertes Biopic, das nach der politischen Krise von 2020 zurückgehalten wurde, und Liberté (Andrei Kureichik [Andrėi Kurėǐchyk], 2020–2026, Belarus), ein unabhängig produziertes Drama, das trotz polizeilicher Durchsuchungen fertiggestellt wurde. Gestützt auf die eigene Erfahrung als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur rekonstruiert der Autor den Zensurapparat, von Selbstzensur und ideologischer Kontrolle bis zu Durchsuchungen, der Filme über verbotene Themen in Schrödingers Artefakte verwandelt: Sie existieren und sind zugleich unzugänglich. Anders als sein sowjetischer Vorläufer hält die gegenwärtige Praxis des „Regallegens“ Filme nicht bloß zurück: Sie verweigert Verleihgenehmigungen, blockiert den Zugang im Internet und richtet die Sicherheitsorgane gegen die materiellen Bedingungen des Filmemachens selbst.
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